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Rede von Horst Trapp bei der Vorabendveranstaltung am 30.11.2018

Als wir uns vor einem Vierteljahrhundert nach Thüringen zu einem Ost-West-Treffen aufmachten wussten wir noch nicht, was uns dort erwarten würde. Willi van Ooyen und ich hatten zu dieser Begegnung westdeutsche Friedensbewegte eingeladen. Bärbel Schindler Saefkow, vom Friedensrat der DDR lud ostdeutsche Friedensbewegte ein. Wir verstanden uns zwischen Ost und West sofort. An die viel beschworene Friedensdividende glaubten wir nicht. Denn wie war die Vorgeschichte? Die politische Klasse der alten BRD hatte sich schon längst geoutet. Nach zwei von Deutschland begonnenen und verlustreich verlorenen Weltkriegen stand sie jetzt den USA in ihrem weltweit geführten Kalten Krieg gegen den Sozialismus zur Seite. Über reichlich militärische Erfahrung verfügten die alten Kameraden. In der Justiz, der Verwaltung, den Geheimdiensten und der Bildung nistete sich der alte Geist mit dem vertrauten Personal ein. Der britische Premier Churchill bedauerte damals, das falsche Schwein geschlachtet zu haben. Statt Anti-Hitler-Koalition jetzt also NATO und Bundeswehr.
Dagegen sind wir gemeinsam aufgestanden. Aus der Meinungsmehrheit der Bevölkerung gegen Aufrüstung und Krieg wollten und wollen wir politisch handelnde Mehrheiten machen. Unsere Vereinbarung war, einen gemeinsamen Friedensratschlag durchzuführen. Als Ort wählten wir Kassel, zentral gelegen, aber vor allem mit einem  überragenden Kasseler Friedensforum. Mit unserem unvergessenen Peter Strutynski, mit Frank Skischuss, Werner Ruf  und Silvia Gingold. Silvia, die Tochter des Antifaschisten Peter Gingold, wird immer noch vom Verfassungsschutz überwacht, während die Neonazis unsere Straßen unsicher machen. Unsere Verfassung, die wir vor ihren Schützern schützen müssen, ist bei uns gut aufgehoben.
Wir gehen bis heute unseren geraden Weg. Wir kämpfen für einen grundlegenden Politikwechsel, um Kriege, Gewalt und Unterdrückung, Hunger und Massenelend zu beenden.  Vom Verbot der Atomwaffen, über die Reduzierung der Rüstungsausgaben, dem Ende der Auslandseinsätze der Bundeswehr, dem Stopp der Waffenexporte bis zur Entspannungspolitik gegenüber Russland reichen unsere Ziele. Friedenspolitik, Abrüstung, soziale Gerechtigkeit und internationale Kooperation können aus unserer Sicht dazu beitragen, Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus zu überwinden. Wir lassen es nicht zu, dass Menschen, die vor Krieg, Armut und Not zu uns fliehen, mit  fremdenfeindlichen Anwürfen von denen überzogen werden, die zu den Verursachern von eben diesem Leid gehören.
Wir wahren unsere politische und finanzielle Unabhängigkeit, gestalten unsere Arbeit ausschließlich ehrenamtlich mit offenen Beratungsgremien. Wir diskutieren die anstehenden politischen Probleme. Aber wir reden nicht nur darüber. Wir greifen aktiv in die politischen Auseinandersetzungen ein. Die Zusammenarbeit mit dem anderen bundesweiten Friedensbündnis Kooperation für den Frieden entwickelte sich gut. Mit der Zusammenarbeit bei der Initiative „abrüsten statt aufrüsten“ haben wir die wichtige Rolle der Gewerkschaften weiter schätzen gelernt.
In einer Zeit der Aufbruchstimmung mit vielfältigen zivilgesellschaftlichen Aktionen, wächst der Druck auf die Politik, endlich den Erwartungen der  Menschen gerecht zu werden. Bei Reformen, wo angeblich das Geld zur Problemlösung fehlt, wie auch bei den Aktionen „Seebrücke“ bzw. „Unteilbar“ helfen wir, den Blick für die irrsinnigen Rüstungsmilliarden zu öffnen. Also „abrüsten statt aufrüsten“. Zur Erinnerung: In Zeiten des „Krefelder Appell“ zur Abwendung des Atomtodes bildeten sich berufsbezogene Initiativen wie unter Ärzten, Naturwissenschaftlern, Betriebsräten, Sportlern. Künstler haben sich mit uns solidarisiert. Sie unterstützten die Forderung, keine neuen Atomraketen aufzustellen. Gemeinsam wurden wir stark. Wir werden wieder stärker, wenn wir den Schulterschluss mit jenen schaffen, die für ihre spezifischen Interessen auf die Straße gehen.
Die Gefahr eines Atomkrieges wächst wieder. Die Waffen werden modernisiert. Ein Atomkrieg soll siegreich geführt werden können. Unsere alte Losung, wonach im Atomkrieg nur der Tod siegt, hat wieder Gültigkeit. Zur Erinnerung:
Oberstleutnant Petrow in Moskau löste 1983 den atomaren Gegenschlag nicht aus, als sein Computer einen Atomangriff der NATO anzeigte. Ein Computer hätte das wahrscheinlich getan. Derartige Computer stehen derzeit in allen Erdteilen. Wir fordern: Schluss damit. Die BRD muss dem Vertrag zum Verbot aller Atomwaffen beitreten, die vorhandenen Atomraketen abziehen und die Militärbasis Ramstein auflösen.
Wir glauben nicht, dass im Kreml lauter Waisenknaben sitzen. Aber ein Land, das ringsherum von der NATO belagert wird, sieht sich gefährdet. Im kommenden Jahr begeht die NATO ihren 70.Geburtstag. Ein guter Anlass, diese aufzulösen. Zumal die wirklichen Gefahren, die von der NATO verursacht werden, wie Kriege, Gewalt, Hunger und Elend von der Gemeinschaft der Völker wie der UNO abgewendet werden müssen. Die Europäische Union, dafür werden wir im kommenden Wahljahr 2019 demonstrieren, muss sich friedlich, demokratisch und sozial gerecht entwickeln. Eine Europäische Rüstungsunion lehnen wir ab.
Deutschland müsse Verantwortung übernehmen. Das ist die große Kriegslüge unserer Zeit. Verantwortung ja. Aber für Frieden und Abrüstung. Das ist die Aufgabe einer Regierung, deren Vorgänger die Welt mit Krieg und Vernichtung überzogen hat. Vom Pentagon ist Frieden nicht zu erwarten. Das lässt sich allenfalls durch die Gefahr des eigenen Untergangs abschrecken. Friedenspläne Fehlanzeige. Kriegführungspläne immer. Auf uns, die friedensbewegten Menschen kommen weitere schwere Aufgaben zu. Deshalb Antworten wir auf die Frage, was wir bisher erreicht haben. Die Ablehnung von Krieg und Gewalt in unserer Bevölkerung ist Ergebnis unseres Wirkens. Daran müssen wir weiter arbeiten, damit sich der Militarismus nicht in den Köpfen festsetzt. Außerdem wahren wir unsere Würde, indem wir Gewalt und Unrecht zurückweisen.
Unser Ziel ist und bleibt eine Welt ohne Krieg. Auch wenn der große Egon Bahr in einem Gespräch zur Vorbereitung einer Veranstaltung meinte, dass es eine solche Welt nicht geben würde. Wir machten eine gute Veranstaltung mit ihm, und zwar ohne diesen Satz. Aber wir tragen diese Utopie in unseren Herzen weiter. Die Utopien von heute werden die Wirklichkeit von morgen sein.

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