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Dr. Margot Kässmann: Frieden entwickeln - Krieg verhindern

Zu den eigenen biografischen Erfahrungen von Margot Kässmann gehört vor allem ein einziger Satz, der vor 10 Jahren von ihr bei Predigt in der Dresdner Frauenkirche fiel: "Nichts ist gut in Afghanistan". Die Heftigkeit der kritischen und teilweise beleidigenden Stimmen darauf war für sie völlig überraschend. Dabei gilt für sie der Passus aus dem Matthäus-Evangelium: "Selig sind die, die Frieden stiften". Die Kirche muss in diesem Punkt glasklar und nicht hinterfragbar sein. Bezüglich Afghanistan war aber spätestens 2009 eindeutig: Die Bundeswehr ist dort nicht, um Brunnen zu bohren und Mädchenschulen einzurichten. Sondern Oberst Klein veranlasste ein Massaker an Zivilisten.
2017 sagte der damalige Verteidigungsminister Thomas de Maiziere zum Einsatz von Kampfdrohnen: "Gezieltes Töten ist ein Fortschritt". Können wir gezieltes Töten als Fortschritt bezeichnen? Die Kirche ist oft in die Irre gegangen, da sehr oft Gewalt legitimiert wurde. Dabei war der in der Bergpredigt formulierte Satz "Liebet eure Feinde" die größte Provokation von Jesus Christus überhaupt. Heute wird der Kampf für den Frieden immer gewalttätiger bekämpft und wir dürfen uns dadurch nicht selbst zum Hass provozieren lassen.
Für Margot Kässmann war und ist Martin Luther King ein großes Vorbild. Er zeigte auf, dass Menschen Gewaltlosigkeit lernen können und ließ sich nicht zurückdrängen aufgrund der eigenen Überzeugung "weil ich Prediger aus Berufung bin". Damals kämpften junge Schwarze in Vietnam für Werte, die ihnen zuhause überhaupt nicht zugebilligt wurden.Martin Luther King betonte, dass gewaltloser Widerstand keine Methode für Feiglinge ist, denn es ist keine Methode des Nichtstun. Diese Methode ist zwar körperlich passiv, aber geistig hoch aktiv.
Eine besonders schlimme Episode der Kirchengeschichte ist, dass 1914 die Kirchen vehement den Krieg unterstützt haben mit chauvinistischen Parolen der schlimmsten Art. Doch Menschen und Institutionen sind lernfähig.
Nathan Söderblom, der Erzbischof von Uppsala in Schweden versuchte gleich nach Ausbruch des ersten Weltkrieges durch einen eigenen Appell, die Versöhnung der kriegsführenden Staaten zu erreichen. Jedoch war damals kein Kirchenleiter auf beiden kriegsführenden Seiten dazu bereit, dem zuzustimmen.
Heute wird der Name Gottes vor allem durch Djihadisten missbraucht. Krieg zerstört nicht nur Städte und Felder, sondern auch die Seelen der Menschen. Kriegstraumata pflanzen sich über Generationen fort. Kein Krieg kann durch Gott legitimiert werden. Keine Religion darf sich dazu missbrauchen lassen, sich für ethnische Konflikte einspannen zu lassen.
Wir müssen wachsam sein. Durch Rüstungsexporte verdienen wir Geld mit Kriegen, als dessen Ergebnis Menschen nach Europa flüchten. Das ist doch absurd.
Pastor Martin Niemöller sagte vor 60 Jahren: "Die Ausbildung zum Soldaten ist eine Ausbildung zum Berufsverbrecher", wofür er heftig kritisiert wurde.
Margot Kässmann ist Mitglied der DFG-VK und bekennt sich deshalb zu deren Grundsatz: "Der Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit."
Das Thema Atomwaffen ist weltweit brisanter als früher - heute ist es jedoch viel zu ruhig darum.
Bewusstseinsbildung ist notwendig. Im letzten Jahr wurden weltweit 18 Kriege mit höchster Gewalt registriert. "Wir müssen international zusammenarbeiten, wir brauchen Mediation und zivile Konfliktbearbeitung. Keine Wieder-Einführung der Wehrpflicht!"
Die Bundesregierung will den Rüstungshaushalt auf 70 Mrd. steigern. Wie kann es sein, dass wir 2019 nicht fähig sind, Konflikte friedlich zu lösen?
Doch zur Bundeswehr selbst: Deren Angehörige stehen zwar in großer Mehrheit zur Verfassung, jedoch bietet diese offenbar einen großen Nährboden für rechtsextreme Kräfte. Wir beklagen Kriege und Bürgerkriege. Deutsche Rüstungsfirmen verdienen daran.
Vor 5 Jahren hielt Margot Kässmann eine Festrede zu Ehren von Bertha von Suttner, eine der wenigen Frauen, die bereits Ende des 19. Jahrhunderts öffentlich wurden. Sie hat es auf sich genommen, ein Don Quijote der Welt zu sein mit dem Grundsatz: "Wir lassen uns nicht entmutigen".
Als 2017 der Nobelpreis an ICAN ging, war dieses eine kraftvolle Ermutigung. Anstatt von Internationaler Verantwortung Deutschlands zu reden, muss gelten: "Mehr Friedensverantwortung Deutschlands".

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