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Arte Fernsehdokumentation: Die Erfindung der Propaganda durch Edward Bernays

von Karl-Heinz Peil (ergänzt am 31.5.)

Unter dem leider recht harmlos klingenden Titel „Edward Bernays und die Wissenschaft der Meinungsmache“ wurde am 29.5. zu später Stunde um 23:00 Uhr auf Arte eine französische Dokumentation (Arte / INA) ausgestrahlt. Die Dokumentation selbst kann man hingegen als aufklärerisch im besten Sinne bezeichnen. Der Name Edward Bernays ist einer größeren Öffentlichkeit weniger bekannt, hingegen hatte er bei den Eliten in den USA bereits sehr früh einen guten Ruf. Geschildert wird in der Dokumentation seine Rolle in der Creel-Kommission, die 1917 für einen Stimmungsumschwung in den USA zugunsten eines Kriegseintrittes in Europa sorgte.

Screenshot aus Doku zur US-Propaganda gegen Deutschland 1917

Was für kriegerische Zwecke sich als erfolgreich erwies, wurde nach dem ersten Weltkrieg in den USA als Rezept gegen Streiks, Demonstrationen und Unruhen der Arbeiterbewegung eingesetzt. Der Kapitalismus wurde propagandistisch zum freiheitlichen Paradies für Konsumenten. 
Ausführlich zu Wort kommt in der Doku auch Noam Chomsky, der darauf verweist, dass die Nazis leider sehr erfolgreich Bernays Konzept übernommen haben, das er 1929 in seinem Buch „Propaganda – The Public Mind in the Making“ niedergeschrieben hat.


Eingegangen wird in der Doku auf die Fortentwicklung der Propaganda in den USA (ohne Bernays) während des zweiten Weltkrieges (durch Dämonisierung des Gegners) und der Nachkriegszeit (Atomkriegsgefahr mit Videoclips „Duck and Cover“).
Als größte Einzelleistung Edward Bernays auf dem zivilen Sektor kann man verbuchen, dass er für die Tabakindustrie der USA die weibliche Hälfte der Bevölkerung als Kundinnen erschlossen hat, indem er in den 20er Jahren Rauchen als Meilenstein der Emanzipation propagieren ließ.
Kaum bekannt aber in der Doku ausführlich dargestellt wird seine dreijährige Kampagne für die United Fruit Company zum Sturz der Regierung in Guatemala 1954. Zitat aus der Doku: „Anfang der 50er Jahre wird ein kleines, friedliches Land zum Inbegriff des Kommunismus, den es zu bekämpfen gilt“. Angeheuert ursprünglich zur Förderung des Bananenabsatzes entfachte er für seinen Auftraggeber eine antikommunistische Propagandakampagne gegen den 1951 demokratisch gewählten Präsidenten, der die Interessen der United Fruit Company bedrohte. Die linksgerichtete Regierung wurde bei ihm zum „Brückenkopf der Sowjetunion“. Die durchschlagene Propagandakampagne bezeichnete er mit einem Wort aus dem Kriegsvokabular als „Medien-Blitz“. Journalisten, die von Edward Bernays unter dem Deckmantel einer angeblich unabhängigen Medienagentur hierfür eingespannt wurden, realisierten erst Jahrzehnte später, dass sie im Auftrag der United Fruit Company benutzt und manipuliert worden waren. Erst durch diese Vorarbeit konnte 1954 der CIA-Putsch initiiert werden. Die Konsequenz: 40 Jahre Bürgerkrieg mit mehr als 200.000 Menschenleben als Opfer. Damit wurde ein Präzedenzfall für andere Regionen geschaffen. Dieses Prinzip scheiterte jedoch in Kuba und Vietnam.
Als Fazit kann man zu dieser hervorragenden Doku - die man unbedingt gesehen haben muss - folgendes festhalten: Auch wenn es dort so nicht explizit formuliert wird, ist die zivile Werbung mehr oder weniger ein "spin-off" von Kriegspropaganda. Weil das im ersten und zweiten Weltkrieg in den USA gut funktioniert hat, wurde Propaganda auch für zivile Zwecke entsprechend für das weiter entwickelt, was man als Manipulation durch Werbung bezeichnet. Doch Propaganda ist noch viel weitreichender, wie gleich mehrere Beispiele von Werbekampagnen aus den USA belegen: Durch "Public Relations" erfolgte (zuerst) in den USA eine Verschmelzung von Demokratie und Kapitalismus. Ein Jahr nach dem Guatemala-Putsch veröffentliche Bernays mit "The Engineering of Consent" einen praktischen PR-Leitfaden für jüngere Generationen. Zitat Doku: "40 Jahre später ist Bernays Konzept zur Lenkung der Massen eine in allen gesellschaftlichen Bereichen fest verwurzelte Realität".
1990 - 5 Jahre vor seinem Tod - wählte das US Time Life Magazine Edward Bernays zu den 100 einflussreichsten US-Amerikanern des 20. Jahrhunderts.

Zitat: Screenshots aus der Doku

Die Doku ist noch bis zum 27.7.2018 in der Arte-Mediathek verfügbar unter:
https://www.arte.tv/de/videos/071470-000-A/edward-bernays-und-die-wissenschaft-der-meinungsmache/


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